Geschichte
Der Junggesellenverein vom 18.bis ins 21. Jahrhundert
Am 18. September 1753 wurde der Junggesellenverein "St. Georg" von 17 jungen Männern zu Ehren des hl.Georg, Schutzpatron der Pfarrkirche und seit ca.1650 in Löhndorf verehrt, gegründet. Die Gründungsniederschrift schrieb damals ein Johannes Abell, der wohl auch der erste Präsident des Vereins war. Damals zählte Löhndorf 270 Seelen, wie alte Kirchenbücher berichten.
Erster Maibaum & St. Georgius-Kerze
Ab 1753 gibt es in den Vereinsbüchern jedes Jahr Eintragungen darüber, wer den Vereinsbeitrag gezahlt hat und wer ihn noch schuldig war. Der Beitrag hieß damals noch Pension. Aus dem Jahr 1758 wird berichtet, dass zwei Mitglieder die Pension nicht gezahlt haben. Um 1760 wurde der erste Maibaum aufgestellt. Die Chronik berichtet, dass jedes Jahr zu St. Georgie (23. April) eine St.-Georgius-Kerze in der Kirche aufgestellt wurde. Im Jahr 1758 wog die Kerze 14,5 Pfund. Man kann bei einer solche großen Kerze davon ausgehen, dass die damalige Kirche schon einen großen Kirchenraum besessen hat. Jedes Jahr wird das Gewicht von der aus dem Vorjahr stammenden Kerze und der neuen Kerze vermerkt.
1766 war der damalige Junggesellenverein dem heutigen weit voraus: Er hatte nämlich ein weibliches Mitglied, die Witwe Catharina Krahn. Sie wurde aufgenommen, weil sie wieder für die Junggesellen frei wurde. Jungfrauen hatten kein Anrecht, in den Verein zu kommen. Die Zahl der Mitglieder betrug von 1766 bis 1768 konstant 22.
Streit & Krisen
Damals wurde auch ein großer Streit zwischen den Familien Krahn und Abell ausgetragen, bei dem in der Chronik vermerkt ist:“ Die Krahns müssen aus dem Verein, sonst schlagen wir ihnen die Knochen entzwei.“
Im Jahre 1768 werden aber die Gebrüder Krahn mit noch drei anderen Mitgliedern aufgeführt, während die 15 anderen Vereinmitglieder ausgetreten sind.1769 ließen dann die Junggesellen ihren Pfarr- und Kirchenpatron vom erfahrenen Meister Jacob Werres aus Ahrweiler neu anstreichen. Die Chronik, die jetzt St- Georgius- Buch genannt wird, übernimmt jetzt Johann Röhrig. 1777 ist die Chronik im Besitz von Mathias Krahn.
Verkauf des Weingartens für eine neue Fahne
Im Jahr 1784 machte Johann Röhrig eine Stiftung zu Gunsten des Junggesellenvereins, die solange gelten sollte, wie er und seine Frau lebten. Es handelte sich um einen Weingarten, der nach dem Tod der Eheleute an den Junggesellenverein fiel. 1893 wurde der Erlös aus dem Verkauf dieses Weingartens dem damaligen Präsidenten Michael Geef ausgezahlt, der daraufhin im Jahr 1902 eine neue Fahne aus "gutem Stoff" anfertigen ließ.
Die ersten Festzüge & der Tambourcorps wird eigenständig
Die Zeit der franzöischen Revolution im Jahre 1789 wird von der Chronik übergangen.1790wird sie fortgeführt. 1803 musste der damalige Präsident, Johannes Beutgen, in den Krieg ziehen. 1806 führten Mathias und Peter Schmickler den Verein.1816 wird dem Kerzenmacher Michael Wug aus Löhndorf die gute Anfertigung der St.- Georgius- Kerze bescheinigt. 1829 lassen die Junggesellen für ihre bisher verstorbenen Mitglieder ein Seelenamt halten. Es sind 84 Mitglieder. Von dieser Zeit an werden an Georgie festzugähnliche Umzüge gestaltet. 1852 wurden zwei Fahnen und Schärpen für Umzüge gekauft. Die Kirmes wird festgelegt und zum Gelingen der Umzüge wurden ein Hauptmann und zwei Offiziere gewählt. Auch zwei Fähnriche werden bestimmt und für diese Fähnriche wird eine Satzung aufgestellt, in der es unter anderem heißt: Das wir gesonnen sind, unter uns einen Junggesellen zu wählen, der die Georgius- Fahne übernimmt. Dieser Junggeselle muss sich sittsam und aufbaulich in allen Gesellschaften als ehrlicher Junggesell unbetadelt betragen , darf sich in keinem Schlupfwinkel und in keiner unehrlichen Gesellschaft sehen lassen, sollte er jedoch in einer solchen Gesellschaft gesehen werden, muss er aus dem Verein und ist betadelt sein Leben lang, auch wird ihm die Fahne weggenommen. Sollte der Fähnrich durch eigenes Verschulden die Fahne beschmutzen oder zerreißen, so muss er die Fahne auf eigene Kosten reparieren lassen. Die Kirchenfahne ist nur dreimal im Jahr zu schwenken, und zwar an den Kirmestagen: 1. Zu Ehren des hl. Georgs an der Kirche, 2.zu Ehren des Pastors von Löhndorf, 3. Zu Ehren des Junggesellenkönigs. Auch soll sie der Fähnrich am Fronleichnamstag würdig durch das Dorf in der Prozession tragen, sowie am Weißen Sonntag und bei Begräbnissen eines Mitgliedes. Aus dieser Zeit stammt auch die Anzugsordnung für die Offiziere. Der Major der Musik (Tambourmajor) gehörte zum Offizierscorps und hatte, wie alle Offiziere, Gerock und Zylinder zu tragen. Der Parademarsch wird erst um 1870 erwähnt und ist damit der jüngste Bestandteil der Kirmes. An dieser Stelle sei erwähnt, das der Tambourcorps früher dem Junggesellenverein angehörte. Ab 1956 bildete sich aus dem Tambourcorps ein eigener Verein.
Das jetzige Vereinshöchstalter von 35 Jahren wurde früher bei weitem überschritten. Noch um 1900 wird der Beitrag für Mitglieder unter vierzig Jahren mit 20 Pfennig und für Mitglieder über vierzig Jahren mit 10 Pfennig festgeschrieben.
Die beiden Weltkriege verschonten den Junggesellenverein nicht. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrten 25 der 35 Mitglieder nicht zurück.
Hahnenköppen statt Königsschießen
Allerdings haben geschickte Vereinsführer den Junggesellenverein auch in der Zeit des Nationalsozialismus vor dem Untergang bewahrt. Der Junggesellenverein musste sich zwar dem deutschen Schützenbund unterstellen, aber die Identität des Vereins blieb erhalten. Nach dem Krieg wurde mit Rücksicht auf die Besatzungsbehörden mit Hahnenköppen und Mailehen-Versteigerung das Vereinsleben wieder aufgenommen. Erst ab 1950 wurde wieder das traditionelle Königsschießen veranstaltet. Die Kirmesveranstaltungen wurden damals in den Löhndorfer Gaststätten abgehalten. 1953 konnte der Junggesellenverein sein 200 jähriges Bestehen feiern.
In den 60ziger und 70ziger Jahren machte der Junggesellenverein einige Veränderungen durch. Bis 1968 musste jedes Mitglied noch die deutsche Staatsangehörigkeit haben.
Königsschießen wiederbelebt & Kirmes im Festzelt
1972 wurde erstmals die Kirmes im Festzelt veranstaltet, was zum einen die finanziellen Mittel des Vereins im Laufe der Zeit verbesserte aber die organisatorischen Probleme vergrößerte. Die Kirmes war für die Junggesellen nun mit erheblich mehr Arbeit verbunden und das eigentliche Kirmesfeiern musste etwas zurückgestellt werden. Um das finanzielle Risiko für die einzelnen Vereinsmitglieder zu minimieren, wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen. Die Aufgrund in das Vereinsregister notwendig gewordene Satzungsänderung gab Anlass zu einer umfassenden Überarbeitung der Vereinsstatuten, wobei Wesen und Ziele des Vereins unverändert blieben. Der Zweck des Junggesellenvereins wurde erstmals konkret in den Statuten dargestellt. Er besteht darin, alljährlich das traditionelle Patronatsfest der Löhndorfer Pfarrgemeinde St. Georg mit seinem althergebrachten Brauchtum durchzuführen, sowie die kameradschaftlichen Beziehungen zwischen allen Jugendlichen des Ortes herzustellen und ein gutes Verhältnis zu unseren älteren Mitbürgern aufrechtzuerhalten.
Im Jahre 2003 feierte der Junggesellenverein sein 250jähriges Jubiläum. Neben zahlreichen Gastvereinen, die das Fest besuchten wurde eine neue Fahne gekauft, welche in der Kirche geweiht wurde und geschwenkt wurde. Heute wird diese Fahne an den Festzügen der St. Georg-Kirmes vom 2. Fähnrich getragen.
Der Junggesellenverein Löhndorf ist nachweislich einer der ältesten noch aktiven Junggesellenvereine im Rheinland. Er ist ältester Junggesellenverein der Stadt Sinzig und überhaupt ältester Verein in Löhndorf.
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